10 Jahre Stolpersteine in Graz – Rückschau und die Frage nach einem zentralen Gedenkort

29. Jänner 2024

Am Abend des 27.1., dem diesjährigen Hocaust-Gedenktag, zog der Verein für Gedenkkultur in Graz im voll besetzten Saal des Graz Museum Bilanz über 10 Jahre Stolpersteine. Gleichzeitig markierte die Veranstaltung auch den Abschied der Vereinsgründerin Daniela Grabe; Tristan Ammerer von den Grünen folgt ihr als Obmann nach.

Podium im Graz Museum (vlnr: Dienesch, Anderwald, Schmidt, Winkler)

Podium im Graz Museum (vlnr: Dienesch, Anderwald, Schmidt, Winkler)

Es war ein Abend für und mit den Wegbegleiter:innen und Unterstützer:innen dieses Projektes, das den Grazer öffentlichen Raum nachhaltig verändert hat. An die 300 Steine wurden bisher verlegt; in Vorbereitung für jede Verlegung werden Biografien recherchiert, Angehörige ermittelt und vorhandenes Dokumentationsmaterial gesammelt. Die Stolpersteine bilden auch einen Fokuspunkt für Schulprojekte und Spaziergänge für Interessierte.

Nur einen Teil dieser vielfältigen Tätigkeit konnten die Besucher:innen im Graz Museum noch einmal Revue passieren lassen anhand eines Kurzfilms über das Schicksal der Grazer jüdischen Familie Weinberger von Valentin Bürgschwendtner und einer „Diashow“, die Meilenstein der letzten zehn Jahre in 100 Bildern zusammenfasste. Präsentiert wurde auch eine neue Broschüre mit einer Auflistung aller bisher verlegten Stolpersteine, die Besucher:innen und Interessierten auf der Suche nach Stolpersteinen in Graz und der Steiermark Orientierung bietet.

Um die Bedeutung solchen öffentlichen Erinnerns, aber auch um persönliche Motivation zum Engagement drehte sich die Podiumsdiskussion, die von Journalistin Colette Schmidt geleitet wurde. Sie diskutierte mit Heinz Anderwald (Grazer Jüdische Gemeinde), Ann Winkler (Angehörige und Initiatorin einer Stolperstein-Verlegung), Sibylle Dienesch (Graz Museum) und Daniela Grabe (Verein für Gedenkkultur). Sibylle Dienesch unterstrich die Rolle von Museen als Orten der öffentlichen Reflexion einer sich stets verändernden Erinnerungskultur. Gerade der Brückenschlag zu konkreten Bezugspunkten der eigenen Gegenwart sei eine wichtige Aufgabe.

Frage nach einem zentralen Ort des Gedenkens in Graz

Großen Anklang fand eine Anregung von Heinz Anderwald, der neben den individuellen Gedenksteinen in den Grazer Straßen einen zentralen besinnlichen Gedenkort für alle, auch die namenlosen Opfer der Nazizeit vermisst. Sein Vorschlag wurde u.a. vom Grazer Klubobmann der Grünen Karl Dreisiebner, der Bürgermeisterin Elke Kahr vertrat, positiv aufgenommen; er versprach, ein solches Projekt in der Grazer Stadtregierung anzuregen.

Tristan Ammerer dankte seiner Vorgängerin und Vereinsgründerin Daniela Grabe: „Es ist mir eine sehr große Freude diese wichtige Aufgabe von Daniela Grabe übernehmen zu dürfen. Auch wenn die Fußstapfen ihrer Arbeit, in die ich trete, wahrlich groß sind, freue ich mich sehr, die Aktivitäten dieses wichtigen Vereins in der Grazer gedenkpolitischen Arbeit fortführen zu dürfen.“