Geburt Walter Kohn: 5.5.1908 in Graz |
17. September 1930: Tod von Irma Kohn |
22. Dezember 1931: Trauung von Ludwig und Gertrud Kohn |
26. Jänner 1932: Meldeadresse Strauchergasse 19/II |
27. Juni 1936: Entzug des Gewerbescheins von Walter Kohn wegen illegaler kommunistischer Betätigung und Verurteilung zu drei Jahren schweren Kerkers |
2. Oktober 1936: Umzug von Walter Kohn von Strauchergasse 19 in Kopernikusgasse 11 |
30. Jänner 1937: Abmeldung von Walter Kohn aus Graz ohne neuen Wohnort |
Februar 1937: Walter Kohn reist nach Spanien und kämpft aufseiten der Interbrigaden im Bürgerkrieg |
Frühjahr 1939: Walter Kohn landet nach der Katalonienoffensive am Strand von Saint-Cyprien |
20. Mai 1942: Deportation der Eltern ins Todeslager Maly Trostinec |
Anfang 1944: Emigration von Walter Kohn in die Sowjetunion |
Mai 1945: Walter Kohns Rückkehr nach Wien |
19. Februar 1986: Tod von Walter Kohn in Wien |
Die jüdische Familie Kohn wohnte seit dem 26. Jänner 1932 bei der Adresse Strauchergasse 19 im zweiten Stock, ein zweiter Eingang existierte auch bei der Annenstraße 34. Insgesamt bestand die Familie aus vier Personen. Ludwig Kohn (geboren 1879), seine zweite Frau Gertrud Kohn (1877), geborene Salzberger, die Söhne Walter (1908) und Herbert (1912).
Ludwig stammte aus Winteritz im nordwestlichen Böhmen (Sudetenland), seine Eltern hießen Elisabeth Samuel und Moritz Kohn. In Graz betätigte er sich als Kaufmann. Die beiden Söhne stammten aus erster Ehe mit Irma Kohn, geborene Hübsch, die im September 1930 verstorben war. Bereits ein Jahr später heiratete Ludwig im Dezember 1931 Gertrud Salzberger und zog kurz darauf von der Volksgartenstraße 18 mit ihr in die Strauchergasse 19.
Der ältere Sohn Walter lebte bis Anfang Oktober 1936 bei seinen Eltern in der Strauchergasse 19 und zog dann in die Kopernikusgasse 11/III zu Walter Strammer um. Er war zu dieser Zeit ledig und beruflich als Kaufmann und Elektrohändler ausgewiesen. Bereits am 27. Juni 1936 war ihm der Gewerbeschein wegen illegaler kommunistischer Betätigung durch das ständestaatliche Regime entzogen worden. Noch im gleichen Jahr wurde er zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Im Februar 1937 reiste er von Österreich nach Spanien und schloss sich den Internationalen Brigaden an, um gegen den Faschismus und Franco zu kämpfen. Nach der Auflösung der Interbrigaden landete Walter Kohn im Jahr 1939 am Strand von Saint-Cyprien im südöstlichen Frankreich an der Grenze zu Spanien, wo er gemeinsam mit anderen Spanienkämpfern interniert wurde. Die Internierten mussten oft auf dem blanken Erdboden schlafen und erst später wurden einfache Baracken errichtet.
Danach durchlief er die französischen Internierungslager Gurs, Le Vernet, Rivesaltes und das algerische Djelfa. Danach diente er kurze Zeit in der englischen Armee, bevor er 1943 bzw. Anfang 1944 schließlich von Algerien in die UdSSR emigrierte und im Mai 1945 nach Österreich als Befreier zurückkehrte. Er blieb in Wien und engagierte sich in der Folgezeit im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW).
Im 19. Februar 1986 verstarb Walter Kohn in Wien.
Er war Mitglied der Revolutionären Sozialisten (RSÖ) und der KPÖ.