Stolperstein-Verlegung auf dem Gelände des Uniklinikums

17. Oktober 2024

Am 15. Oktober konnten wir in einer feierlichen Zeremonie am Gelände des LKH-Universitätsklinikum Graz mit der Verlegung von 39 Stolpersteinen an jene jüdischen Medizinstudierenden erinnern, die 1938 von den Nationalsozialisten von der damaligen medizinischen Fakultät der Universität Graz vertrieben wurden. Diese jungen Menschen, die durch ihre akademischen Leistungen und ihre Hingabe an den medizinischen Beruf eine vielversprechende Zukunft vor sich hatten, wurden vom NS-Regime ihrer Chancen beraubt und der Universität verwiesen.

Zu Beginn begrüßte Univ.-Prof. Dr. Andrea Kurz, seit Februar 2024 neue Rektorin an der MedUni, die Gäste und hieß insbesondere die eigens angereisten Angehörigen des Studierenden-Ehepaars Singer und von Fritz Röhr.

Gerald Lamprecht und Marco Jandl vom Centrum für Jüdische Studien gingen näher auf die historische Situation jüdischer Studierender rund um die Machtübernahme des Nazi-Regimes ein und gaben einen Einblick über die Vielfalt der Einzelschicksale der sehr heterogenen Gruppe, bevor die Lebensgeschichten von Gustav und Grete Singer, Fritz Röhr und Norman Shefrin eingehender beleuchtet wurden. In den Grußbotschaften der Angehörigen kam der Dank für diese Veranstaltung ebenso zum Ausdruck wie die Mahnung, dass Hass und Ablehnung von „anderen“ sehr schnell zu katastrophalen Folgen führen kann und dass wir als Gesellschaft hier auch aktuell wachsam sein müssen.

Mitarbeiter der Holding Graz verlegten als zentrales Element der musik-umrahmten Feier einen Kopfstein mit dem Text: „In Erinnerung an 39 Studierende der Medizin, 1938 der Universität verwiesen“.

Nachdem eine Gruppe von gegenwärtigen Studierenden die Inschriften aller 39 Opfer verlesen hatten, legten nach einem Gebet in deutscher und hebräischer Sprache die Anwesenden Rosen und Steine nieder.

Die 39 Steine liegen am Ende der Rettungsauffahrt (dem historischen Zugang zum Uniklinikum) neben dem durch die Gastrobetriebe genutzten Platz unweit des Infopoints.

Die Zeremonie ist auch ein gelungener Abschluss für ein Recherche- und Erinnerungsprojekt an der Uni Graz, in dessen Rahmen im Oktober 2023 schon 15 Steine an verschiedenen Stellen auf dem Uni-Campus verlegt wurden.