Am 21. Oktober wurden in Graz wieder zwei Stolpersteine verlegt. Die Steine sind zwei Opfern der sogenannten „Aktion T4“ gewidmet, im Rahmen derer unter dem NS-Regime Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung und chronisch Kranke systematisch ermordet wurden. Insgesamt sollen über 30.000 Menschen in Österreich Opfer der sogenannten „Euthanasie“ geworden sein.
Vor dem Haus in der Arndtgasse 1 liegt nun ein Stolperstein für Franz Stradner, dessen Familie dort einige Zeit einen Laden betrieb. Er war bereits seit 1931 immer wieder in diversen Pflegeanstalten lebte, wurde 1941 vom Grazer Feldhof nach Niedernhart bei Linz deportiert und wenige Tage später im Schloss Hartheim ermordet.
Dieselben Stationen lassen sich auch für Peter Herzog nachvollziehen, der nach einem Aufenthalt im Pius-Institut in Bruck an der Mur 1940 an den Feldhof überstellt worden war du nur 13-jährig mit demselben Transport nach Linz gelangte; auch er wurde in Hartheim vergast. Sein Stolperstein wurde vor dem Haus Wormgasse 8 verlegt. Der Historiker Heribert Macher-Kroisenbrunner, der die Krankenakten von hunderten steirischen „Euthanasie“-Opfern in der Steiermark bearbeitet, verlas die zwei bedrückenden Biografien.
Unterstützende Worte bei der Verlegung kamen von der neuen Kulturstadträtin Claudia Unger, die die Aktualität und Wichtigkeit von Erinnerungsarbeit unterstrich. Die Patenschaften für die zwei Steine wurden von der Organisation LebensGross, vertreten durch Ursula Vennemann, und People First Steiermark, vertreten durch Editz Zitz, übernommen.
Für die musikalische Begleitung sorgte der koreanische Musikstudent Chaiwat Charoensak, der trotz eines sehr eingeschränkten Hörvermögens mit großer Sensibilität und Virtuosität einige Violinstücke vortrug.
Diese zwei Verlegungen sind Teil eines umfangreicheren Schwerpunkts des Vereins für Gedenkkultur in Graz, der sich in enger Vernetzung mit verschiedenen Gruppen und Interessensvertretungen intensiv mit dem Schicksal von Menschen mit Behinderungen in der Nazi-Zeit auseinandersetzt. In diesem Jahr fanden unter anderem schon mehrere inklusive Stolpersteinspaziergänge statt; der nächste Termin ist der 4. November.